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Wo Marilyn Monroe auf David Bowie trifft

„Mutate“ aus Leutersdorf ist Künstler. In Neugersdorf hängen seine Werke schon. Er sucht noch mehr Ausstellungsorte.

Sächsische Zeitung 21.06.2018

Von Romy Altmann-Kühr

Leutersdorf. Marilyn Monroe hat einen Platz über dem Sofa bekommen. In leuchtenden Farben hängt das Porträt der Schauspielerin im Atelier von Tobias Kießlich, gleich neben dem Kachelofen. Mit „Mutate“ ist es in der rechten unteren Ecke signiert. Das ist Kießlichs Künstlername und unter dem ist er auch den meisten bekannt. Seit drei Jahren arbeitet der Leutersdorfer als freischaffender Künstler. Die Malerei will er zu seinem Hauptberuf machen, stellt mittlerweile auch aus, um sich und seine Werke bekannter zu machen. Bilder von „Mutate“ sind beispielsweise schon in der Alten Bäckerei in Großhennersdorf zu sehen gewesen und hängen in Martl’s Boutique in Neugersdorf. Auch einige Auftragswerke konnte der Künstler schon anfertigen.

Personen malt Tobias Kießlich am liebsten. Besonders haben es ihm verstorbene Künstler angetan. So ist Marilyn in seinem Atelier in bester Gesellschaft. Gegenüber auf einem alten Buffet steht David Bowie. Beide – Bowie und Monroe – hat der 34-Jährige in einer besonderen Technik geschaffen. Spontanrealismus – so bezeichnet zumindest der Künstler, bei dem Tobias Kießlich sich dazu inspirieren ließ, diese Technik. Statt mit dem Pinsel werden die Farben mit einem Spachtel aufgetragen. „Ich habe mich für andere Künstler interessiert“, erzählt Kießlich. Dabei stieß er auf einen Österreicher, der in dieser Technik malt und probierte es selbst aus. Eine weitere Spezialität von Kießlich ist die fotorealistische Porträtmalerei. Auch dafür finden sich Beispiele in seinem Atelier. Die gemalten Bilder – ebenfalls zumeist von Künstlern und Musikern – sind von echten Fotos kaum zu unterscheiden.

Bowie, Monroe und die anderen Kunstwerke teilen sich das Atelier in der ehemaligen Walddorfer Schule. Dort hat Kießlich, der aus Leutersdorf stammt und dort auch wohnt, Platz gefunden. „Vorher hatte ich in Leutersdorf ein Atelier. Das wurde aber zu klein. Also habe ich mich auf die Suche gemacht und bin hier bei der Gemeinde fündig geworden.“ Das ehemalige Schulhaus mit der Klinkerfassade an der Kirschallee beherbergt unterschiedlichste Gruppen und Nutzer. So trifft sich zum Beispiel eine Computer-Selbsthilfegruppe für Senioren hier regelmäßig und eine Yoga-Gruppe gibt es. Und nun hat auch die Kunst Einzug gehalten.

Ursprünglich hatte Tobias Kießlich nach dem Schulabschluss mal Steinmetz gelernt. Eine künstlerische Ader habe er schon immer gehabt, erzählt der Leutersdorfer. Den Steinmetzberuf konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht ausüben, wurde Mediengestalter und machte das Fach-Abitur in der Fachrichtung Gestaltung. Und entschied sich dann, ganz und gar Künstler zu werden. Seine nächsten Ziele sind jetzt eine eigene Homepage, die in den nächsten Wochen an den Start gehen soll, und weitere Ausstellungen zu gestalten. Dazu hat er schon Kontakte geknüpft, zum Beispiel zum Verein Gründerzeiten, der sich in Neugersdorf um eine alte Fabrik auf dem ehemaligen Lautexgelände an der Ernst-Thälmann-Straße kümmert. „Das würde gut passen, ich bin immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Ausstellungsorten.“ Das langfristige Ziel ist es, von der Kunst leben zu können und hauptberuflich Künstler zu sein. Momentan verkauft er seine Werke noch als Nebenerwerb.

Es sei schwer, als Künstler in der Oberlausitz ein sicheres Standbein zu haben, sagt Kießlich. Schließlich braucht man auch zahlende Kunden. Aber deshalb wegziehen? „Das könnte ich schon machen, in eine Stadt gehen, wie Berlin zum Beispiel“, sagt Tobias Kießlich nachdenklich. „Aber ich fühle mich hier wohl. Ich habe ein tolles Atelier mit einem wunderbaren Ausblick“, sagt er und zeigt aus dem Fenster. Aus der ersten Etage des alten Schulhauses kann man auf das beschauliche Walddorf, auf Felder und den Lerchenberg schauen. In der Ferne ist sogar der Neugersdorfer Wasserturm zu erkennen. „Hier kann man kreativ sein, hier herrscht ein tolles Flair in dem alten Haus.“ Und zum Glück, sagt Kießlich, kann man auch Kunst heutzutage über das Internet verkaufen.